Wir dachten uns, wir haben eine Woche Zeit, da fliegen wir doch mal runter nach Lissabon. Flüge gecheckt, gebucht und los ging unser Surftrip nach Portugal. Darüber und über die letzten Trips nach Sagres und Südportugal möchte ich berichten.

 

Was macht das Surfen in Portugal aus?

Portugal hat einfach Flair. Die Portugiesen sind offenherzig und der Tourismus ist noch nicht in jede Ritze gekrochen. Die Surfspots sind super und die Landschaft ist wunderschön. Das haben viele Surfer für sich entdeckt und die großen Surf-Regionen Peniche und Ericeira sind voll mit Wellensuchenden. Und trotzdem kannst du hier eine gute Zeit haben. Wir fahren gerne vor oder nach dem Sommer nach Portugal.

Beste Reisezeiten zum Surfen in Portugal

Eigentlich kann man in Portugal das ganze Jahr Surfen. Aber im Winter musst du dich sicher auf höhere Wellen und schlechteres Wetter einstellen. Die beste Reisezeit für Anfänger ist sicherlich Ende Juni bis Ende August. Dann ist es bereits Sommer in Portugal und du kannst das Treiben genießen. Außerdem sind die Wellen besser zum Anfangen. Für Profis eignet sich die Zeit von September bis Mai am besten. Oder du fährst spontan runter, wenn ein Swell angesagt ist.

Wassertemperatur und Klima in Portugal

 

Jan Feb März Apr Mai Jun
Ø Temperatur 11° 13° 15° 16° 18° 22°
Wasser-Temperatur 14° 14° 14° 15° 16° 17°

 

Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Ø Temperatur 24° 24° 22° 19° 15° 12°
Wasser-Temperatur 18° 19° 19° 18° 16° 15°

Portugal mit dem Camper oder doch eine Wohnung?

Beides geht wunderbar. Du kannst es dir eigentlich aussuchen, was dir lieber ist. Ich habe bei meinen bisherigen Trips immer günstig gewohnt und eigentlich nie mehr als 20 Euro für ein Zimmer bezahlt. Wenn man etwas Luxus möchte, findet man den natürlich auch. Ohne Auto würde ich den Surftrip nicht antreten, außer du gehst in ein Surfcamp und wirst an die Spots gefahren.
Wenn du mit dem Camper aufbrichst, hast du viele schöne Stellplätze zur Wahl, auf denen du kostenlos stehen kannst. Wildcampen ist in Portugal noch supereasy und es gibt vielerorts noch Wohnmobil Stationen, an denen man gratis den Wasseraustausch machen und teils sogar die Batterie laden kann. An den Surfspots sind die Parkplätze manchmal nicht für Autos über 2,20 m geöffnet. Das macht einen Minicamper attraktiv. Aber auch mit einem großen Bus findet man etwas abseits immer einen schönen Schlafplatz mit Meerblick. Der Laidback Stil des Landes passt wie die Faust aufs Auge zu einem Portugal Surftrip mit dem VW Bus.

Dabei gibt es viele Regionen in Portugal, die einen Trip wert sind. Du solltest dir für jede Location Zeit nehmen und das Leben dort ein wenig genießen. In diesem Bericht gehe ich von Süden bis Norden die Regionen durch, die wir bereits besucht haben.

Wo in Portugal Surfen gehen?

Da gibt es viel Auswahl, egal ob für Pros oder Anfänger, alle Regionen Portugals haben etwas zu bieten. Ich habe bisher drei Trips nach Portugal gemacht und die Region zwischen Sagres und Lissabon hat es mir besonders angetan.

Surfen Sagres Area

Ganz am südwestlichen Zipfel Portugals liegt Sagres. Allein diese Lage macht Sagres zu einem Ziel, dass eine Reise wert ist. Bei westlichen Swells geht man an der Westküste surfen, bei südlicheren Swells oder wenn die Wellen im Westen zu groß werden, geht man an die Südküste. Die Algarve bietet viel Sonne und Abwechslung für die Zeit außerhalb des Wassers. Wichtig in Sagres ist die Swellrichtung, danach musst du den Surfspot auswählen.

Surfspot: Tonel

Tonel hat es mir in Sagres am meisten angetan. Tonel ist eine schöne Bucht, die eher Richtung Westen geöffnet ist. Trotzdem bekommt die Bucht nicht so viel Swell ab, wie Spots an der Westküste. Der Spot funktioniert bereits bei 2 Fuß und bis 8 Fuß. Wenn es höher wird oder der Swell aus Süden kommt, ist Beliche eine Auswahl.

Surfspot: Beliche

Beliche ist auch ein superschöner Strand, den ihr besuchen solltet, auch wenn ihr hier nicht Surfen geht. Ich hatte hier leider keine guten Bedingungen erwischt, als ich im Mai vor Ort war. Der Spot kann einen starken Shorebreak zur Hightide entwickeln. Deshalb solltest du die hohe Tide vermeiden.

Surfspot: Sagres South

Alle guten Dinge sind drei. Sagres South bietet euch die dritte Anlaufstelle in kürzester Reichweite. Aus meiner Sicht braucht der Spot einen südlichen Swell. Der Standard-Swell aus Nord-Westen kommt hier selten an. Aber wenn es hier läuft, kann der Spot eine gute Alternative sein.

Bei westlichen Swells geht es von Sagres aus Richtung Norden und du kannst die Spots bis zum Praia do Amado in Carrapateira in kurzer Zeit erreichen. Bei südlichen Swells geht es bis nach Lagos. Nicht weit im Norden findest du auch Arrifana, das in jedem Fall einen Tagesausflug oder einen Zweitagestrip von Sagres rechtfertigt.
Insgesamt hat man in Sagres eine gute Auswahl an Spots und du findest fast immer Welle. Mehr Infos folgen hoffentlich bald, wenn wir die Region noch genauer erkundet haben.

Tipp: Bei Porto Covo haben wir ein paar Nächte geschlafen und auch wenn uns die Wellen nicht hold waren, würde ich sofort wieder in diese Region fahren. Wir waren bei kleinen Wellen mit Delfinen im Wasser und die Region ist superschön. Hier sollte man vermutlich außerhalb der Ferienzeiten aufschlagen, wie überall wo es schön ist.

Surfen um Lissabon

Surfen ist eine der Sportarten Lissabons und die Surfszene der Region wächst kontinuierlich. Das liegt aber auch daran, dass die Spots um Lissabon einfach klasse sind. Für einen Surf-Kurztrip ist Lissabon eine klasse Ausgangsposition. Von hier brauchst du nur ungefähr eine halbe Stunde bis zum Meer und hast gleich zahlreiche Spots zur Verfügung. Durch die große Anzahl an Surfern musst du auch damit rechnen, dass immer Menschen im Wasser sind. Aber meiner Erfahrung nach findest du immer eine Welle für dich. Surftrip Lissabon=unbedingt machen!!

Costa da Caparica, Praia do Castelo, Fonte da Telha, Praia do Meco, Praia das Bicas

Südlich von Lissabon erstreckt sich ein 30 km langer Strand mit vielen Spots und Peaks. Hier findet man fast immer etwas. Die Surfer verteilen sich gut und du bekommst auch an vollen Tagen deinen Wavecount. Je nach Swellrichtung und Swellgröße kannst du hier variieren. Einige Spots laufen schon ab 1-2 Fuß, andere laufen bis 4 Meter. Also kannst du hier eine große Bandbreite abdecken.

Surfen in Cascais

Quasi noch in Lissabon gibt es viele Weltklasse Spots in Cascais. Für uns war das aber keine Option, weil auf uns nur ein 2-Fuß Swell wartete und wir dadurch hier keine Wellen angetroffen hätten. Cascais muss ich trotzdem nennen, weil es eine Vielzahl an Optionen bietet und einen netten Flair sowie eine rege Surfszene bietet. Außerdem kann es eine Option sein, bei höheren Wellen hier aufzuschlagen und hier noch nette Wellen abzuholen.

Surfspot: Praia Guincho

Auch hier sind wir zweimal zum Spotcheck aufgeschlagen, denn Guincho bekommt auch viel Swell ab. Aber leider ist es durch die Exponiertheit oft windig hier. Deshalb checke den Wind, bevor du hier herfährst. Der Spot läuft von 0,5-3 Meter.

Region Sintra

Sintra ist bei einem Stopp am Praia Grande einen Ausflug wert. Das kleine Dorf hat viele nette Restaurants und ist schön am Hang gelegen. Es ist aber auch Ausflugsziel aus Lissabon und deshalb etwas touristisch. Es gibt einige alte Häuser und eine kleine Burg. Am wichtigsten ist jedoch, dass man in der Region auch Klettern und Bouldern kann – an flaten Tagen natürlich nur.

Surfspot: Praia Grande

Ein Beachbreak, der relativ viel Swell aus westlicher Richtung aufnimmt. Hier sind einige Schulen im Wasser, aber auch Profis an manchen Tagen. Etwas oberhalb ist ein kleines Restaurant, in dem wir das Portugal-WM-Spiel in den letzten Minuten verfolgt haben (die ersten 80 Minuten des Spiels waren wir natürlich im Wasser). Hier kann man lecker, bodenständig zu einem vernünftigen Preis essen.

Surfspot: Praia Pequena

Der Strand, der uns den Urlaub gerettet hat. Die Vorhersage für die letzte Juni-Woche war relativ mau mit knapp 2 Fuß Swell auf 9 Sekunden. Da sind wir die ganze Küste zwischen Peniche und Lissabon abgefahren und am Praia Pequena haben wir unsere Welle gefunden. Zwar waren wir mit den Groms der Region im Wasser, weil ein Contest bevorstand. Die Sandbänke haben auch bei dem kleinen Swell nette Wellen produziert und aus 2 Fuß eine Welle mit ca 1,50m am Takeoff geformt.

Surfspot: Praia dos Macas

Etwas nördlich von Praia Pequena liegt ein kleines nettes Dorf mit vielen Restaurants und einem sehr schönen Strand mit Duschen (nicht unwichtig). Am Camping-Platz bei dos Macas arbeitet diesen Sommer Diego, ein Surf-Buddy aus Uruguay. Vielleicht stattest du ihm einen Besuch ab, wenn du in der Region bist. Dann sag ihm einen Gruß von uns. Der Spot lief leider nicht, als wir vor Ort waren, er bietet aber gute Wellen und Bedingungen auch für Surfschulen.

Über das Surfen in und um Ericeira haben wir einen eigenen Beitrag erstellt: Surfen Ericeira

Surfen Peniche Area

Neben Ericeira ist Peniche der Place to be für Surfer in Portugal und du solltest vorbeischauen, wenn du in der Region bist. Peniche ist so etwas wie der Surf-Geburtsort in Portugal. Von hier hat sich das Surfen in Portugal entwickelt und hier findest du eigentlich das ganze Jahr Surf. Im Sommer sind die Bedingungen gut für Anfänger. Von Herbst bis Frühjahr rührt sich mehr und es kommen die größeren Swells in Peniche an. Peniche liegt auf einer Landzunge und bietet dadurch Surfspots mit unterschiedlichsten Ausrichtungen. Dadurch ist es bei vielen Swells und Windrichtungen surfbar und du findest immer eine Welle, egal ob Anfänger oder Pro.

Area Branca

Richtung Norden haben wir in Area Braca haltgemacht. Der beschauliche Ort hat einen Strand mit vielen Peaks und wir haben einen kleinen A-Frame vorgefunden, obwohl der Swell unter 2 Fuß gemessen hat. Es kommt immer etwas auf die Sandbänke an, aber Area Branca ist einen Besuch wert. Wir wurden sogar von Delfinen besucht, die hier vorbeigezogen sind.

Surfspot Consolacao

Consolacao ist ein schöner Reef-Break, der am besten bei Low- und Mid-Tide läuft. Ohne die Welle wäre es ein verschlafener Ort mit vielen alten Portugiesen, die dort im Sommer zum Baden hinfahren. So ist es ein Pointbreak der von 1-5 Meter hohe Swells in tadellose Wellen umwandelt.

!!! Supertubos!!!

Der Spot der Region. Hier kannst du Barrels surfen und der Spot zieht Einheimische, wie Touristen gleichermaßen an. Hier werden auch Contests abgehalten und es ist einer der besten Beachbreaks der Welt.

Surfspot Melho Leste

Am nördlichen Ende der Bucht befindet sich Molho Leste. Der Spot ist etwas geschützter vom Swell und bei Nordwind etwas besser gelegen als die Spots in Baleal und Ferrel.

Surfspots Baleal

Baleal liegt nördlich von Peniche und greift nördliche Swells voll ab. Der Strand bietet auch viele Peaks und du findest deinen Spot. Wenn der Wind aus Süden kommt, sind Baleal und der Praia de Almagreira the places to be. Im Süden der Bucht läuft Cerros erst ab 1,5 Metern Swell. Meio de Baia und Cantinho da Baia laufen bereits ab 0,5 Metern Swell.

Besonders bekannt in der Baleal Area ist Lagide. Ein Reefbreak, der bei Südwind klasse Wasserwände produziert. Nördlich gibt es noch Gigi und Pico da Mota, beides Beachbreaks, die dir viel Spaß bereiten können und eher bei Low und Mid laufen.

Surfspot Praia de Almagreira

Der Place to be für Camper in der Region Peniche. Hier steht ihr, ab vom Trubel von Peniche und könnt aus der offenen Heckklappe die Wellen anschauen – besser als Fernsehen. Bei Südwind haben die Strände hier Cross-Offshore Wind – auch dann sind sie eine gute Alternative für einen Trip hierher, auch aus Ericeira ist man in 1:15 h hochgefahren.

Weiter im Norden bin ich noch wenig gesurft und habe kaum Inputs. Es gibt aber auch hier viele schöne Destinationen.

 Fazit: Ich bin ein bisschen verliebt in das Surfen in Portugal. Leichtes Leben, gutes Wetter, vernünftige Preise, gute Wellen, einfach alles, was ein Surfurlaub braucht. Wir können es kaum erwarten im September wieder die Bretter in Spanien und Portugal zu Wasser zu lassen.